Chokerseil oder Chokerkette? So findest Du die richtige Lösung für Deine Seilwinde
Wer regelmäßig mit der Forstseilwinde arbeitet, kennt die Situation: Das Windenseil ist ausgezogen, der Stamm liegt bereit – jetzt muss das Holz sicher angeschlagen werden.
Dafür kommen häufig Chokerseile oder Chokerketten zum Einsatz. Beide Systeme haben sich in der Forstwirtschaft bewährt, unterscheiden sich aber deutlich in Aufbau, Gewicht, Handling und Einsatzgebiet.
Chokerseile werden außerdem nicht nur beim klassischen Bodenzug eingesetzt. Eine weitere wichtige Anwendung findet sich bei Seilkrananlagen, wo Bäume beziehungsweise Stämme mit Chokerseilen angeschlagen und am Seilwagen befestigt werden.
Doch was ist eigentlich besser: Chokerseil oder Chokerkette? Was unterscheidet eine Chokerkette von einer Rückekette? Und was bedeutet die FTF-Angabe bei Forstketten und Seilen?
Wir zeigen Dir, worauf es bei der Auswahl ankommt.
Was ist ein Chokerseil?
Ein Chokerseil ist ein kurzes und besonders flexibles Drahtseil, mit dem Bäume oder Stämme angeschlagen werden.
Auf dem Seil läuft je nach Ausführung ein Chokerhaken. Das Seil wird um den Stamm geführt und mithilfe des Hakens zur Würgeschlinge geschlossen. Unter Belastung zieht sich diese Schlinge um den Stamm zusammen.
Der große Vorteil eines Chokerseils liegt vor allem im geringen Gewicht und der hohen Flexibilität. Im Vergleich zu einer schweren Kette lässt sich das Drahtseil leicht transportieren und gut um den Stamm führen.
Chokerseile gibt es dabei in verschiedenen Ausführungen. Unterschiede bestehen beispielsweise bei:
- Seilkonstruktion und Durchmesser
- Stahlendklemmen
- Schlaufenpressungen
- Chokerhaken
- Länge des Seils
Chokerseile an Seilkrananlagen
Ein sehr wichtiger Einsatzbereich klassischer Chokerseile sind Seilkrananlagen in der Forstwirtschaft.
Sie kommen vor allem in steilem oder schwer zugänglichem Gelände zum Einsatz, in dem eine normale Holzrückung mit Schlepper und Forstseilwinde nur eingeschränkt oder gar nicht möglich ist.
Dabei werden die gefällten Bäume oder Stämme mithilfe der Chokerseile angeschlagen und mit dem Lastsystem des Seilwagens verbunden. Anschließend wird das Holz über die Seilkrananlage aus dem Bestand transportiert. Bei Seilkrananlagen werden hierfür auch sogenannte Seilstruppen beziehungsweise Chokerseile am Last- oder Förderhaken eingesetzt.
Gerade die klassischen Chokerseile mit beidseitigen Stahlendklemmen werden sehr häufig für diesen Einsatzzweck verwendet.
Die Stahlendklemmen ermöglichen eine kompakte Endverbindung, während das besonders biegsame Drahtseil das Anschlagen der Stämme erleichtert. Unsere Chokerseile Typ A und Typ D besitzen beispielsweise auf beiden Seiten Stahlendklemmen und einen auf dem Seil laufenden Chokerhaken.
Was ist eine Chokerkette?
Eine Chokerkette wird vor allem beim Holzrücken mit der Forstseilwinde eingesetzt.
Typischerweise besteht sie aus einer Rundstahl-, Vierkant- oder Profilkette mit einem Forstschlinghaken auf der einen und einer Durchstecknadel auf der anderen Seite.
Die Durchstecknadel hilft dabei, die Kette unter dem Stamm hindurchzuführen. Anschließend wird die Kette mithilfe des Forstschlinghakens zur Würgeschlinge geschlossen.
Die Chokerkette wird in der Regel am Zugseil beziehungsweise Windenseil befestigt. Dafür befinden sich beispielsweise Seilgleitbügel oder andere geeignete Verbindungselemente auf dem Windenseil. Beim Zug zieht sich die Kette um den Stamm zusammen.
So können auch mehrere Stämme über mehrere Chokerketten mit einem Windenseil verbunden und gemeinsam beigeseilt werden.
Was ist der Unterschied zwischen Chokerkette und Rückekette?
Chokerketten und Rückeketten sehen sich auf den ersten Blick sehr ähnlich. Der entscheidende Unterschied liegt jedoch darin, wo die Kette befestigt wird.
Eine Chokerkette wird normalerweise über einen Seilgleitbügel, Seilgleithaken oder eine ähnliche Verbindung am Zugseil der Forstseilwinde befestigt.
Eine Rückekette besitzt dagegen typischerweise einen größeren Aufhängering beziehungsweise ein Aufhängeglied. Über diesen wird sie direkt an einem geeigneten Zugpunkt des Schleppers oder eines anderen Zugfahrzeuges befestigt.
Vereinfacht kannst Du Dir merken:
Chokerkette = Verbindung zwischen Stamm und Windenseil
Rückekette = Verbindung zwischen Stamm und Zugfahrzeug
Chokerseil oder Chokerkette – was ist besser?
Eine pauschale Antwort gibt es nicht. Beide Systeme haben ihre Vorteile.
Je nach Ausführung stehen Rundstahl-, Vierkant- oder spezielle Profilketten zur Verfügung.
✅ Unser Tipp:
Wenn Dir geringes Gewicht und hohe Flexibilität besonders wichtig sind, kann ein Chokerseil die angenehmere Lösung sein.
Legst Du dagegen Wert auf ein robustes und klassisches Kettensystem für die Forstseilwinde, ist die Chokerkette oft die richtige Wahl.
Egal, ob Du Dich für Chokerseil oder Chokerkette entscheidest: Entscheidend ist, dass das gesamte Zugsystem zur maximalen Zugkraft Deiner Forstseilwinde passt. Dabei kommt es nicht allein auf Durchmesser, Kettenform oder Material an.
Die Zugkraft muss zur Forstseilwinde passen
Einer der wichtigsten Punkte bei der Auswahl einer Chokerkette oder eines Chokerseils ist die zulässige Zugkraft.
Dabei solltest Du nicht nur nach dem Durchmesser auswählen.
Entscheidend ist immer:
Welche maximale Zugkraft kann meine Forstseilwinde erzeugen und ist das eingesetzte Zubehör dafür ausgelegt?
Alle Bestandteile des Zugsystems müssen aufeinander abgestimmt sein.
Dazu gehören unter anderem:
- Windenseil
- Seilendverbindung
- Seilgleiter
- Chokerseil oder Chokerkette
- Haken
- Schäkel
- weitere Verbindungselemente
Gerade bei modernen Forstseilwinden können sehr hohe Kräfte entstehen. 6,0 t Windenzugkraft entsprechen näherungsweise 58,9 kN, in der Praxis rund 60 kN.
Was bedeutet FTF bei Chokerketten und Chokerseilen?
Im Zusammenhang mit forstlichen Zugmitteln findest Du häufig die Abkürzung FTF.
FTF steht für Forest Tractive Force – also vereinfacht gesagt die zulässige forstliche Zugkraft.
Die Angabe wurde speziell für den forstlichen Bodenzug entwickelt und macht die Auswahl der passenden Komponenten einfacher.
Die FTF-Klasse beschreibt, mit welcher maximalen Zugkraft der Forstseilwinde das jeweilige Bauteil eingesetzt werden darf. Die für den forstlichen Bodenzug erforderlichen Sicherheitsreserven sind bereits in dieser Angabe berücksichtigt.
Ein Beispiel:
FTF 6,0 bedeutet, dass das entsprechend gekennzeichnete Bauteil im vorgesehenen Bodenzug mit einer Forstseilwinde mit maximal 6 Tonnen beziehungsweise ungefähr 60 kN Zugkraft eingesetzt werden kann.
Das macht die Auswahl deutlich einfacher.
Besitzt Deine Forstseilwinde beispielsweise eine maximale Zugkraft von 6 Tonnen, benötigst Du Chokerketten, Chokerseile und weitere Komponenten, die für diese Zugkraft freigegeben beziehungsweise ausreichend dimensioniert sind.
FTF ist nicht die Bruchkraft
Ganz wichtig:
FTF und Bruchkraft sind zwei unterschiedliche Angaben.
Die Bruchkraft beschreibt die Kraft, bei der ein Bauteil unter definierten Bedingungen versagt.
Die FTF gibt dagegen an, mit welcher maximalen Zugkraft das Bauteil im forstlichen Bodenzug verwendet werden darf. Die notwendigen Sicherheitsreserven sind dabei bereits berücksichtigt.
Was bedeuten Güteklasse 8 und Güteklasse 10?
Bei Chokerketten findest Du häufig Bezeichnungen wie Güteklasse 8, Güteklasse 10 oder Güteklasse 12.
Die Güteklasse gibt unter anderem Auskunft über die Festigkeit des verwendeten Kettenmaterials.
Eine höherfeste Kette kann dadurch bei ähnlichen Abmessungen höhere Kräfte aufnehmen beziehungsweise bei gleicher benötigter Zugkraft leichter ausgeführt werden.
Für die Auswahl zählt nicht die Güteklasse allein, sondern die zulässige Zugkraft der kompletten Ausführung inklusive Haken, Verbindungselemente und der vorgesehene Einsatz.
Das zeigt auch:
Der Durchmesser einer Chokerkette allein sagt noch nicht aus, für welche Forstseilwinde sie geeignet ist.
Eine 8-mm-Kette in einer höheren Güteklasse kann eine andere zulässige Zugkraft besitzen als eine 8-mm-Kette einer niedrigeren Güteklasse.
Achte deshalb immer auf die konkrete FTF- beziehungsweise Zugkraftangabe des Herstellers.
Rundstahl, Vierkant oder Spezialprofil?
Neben der Güteklasse unterscheiden sich Chokerketten auch durch ihre Kettenform.
Rundstahlkette
Die klassische Rundstahlkette ist eine bewährte und robuste Lösung für viele Arbeiten mit der Forstseilwinde.
Vierkantkette
Durch die kantigere Form bietet eine Vierkantkette eine andere Auflagefläche am Holz und kann dadurch eine höhere Griffigkeit erreichen.
Spezialprofile
Daneben gibt es spezielle Kettenprofile, die gezielt auf hohe Griffigkeit ausgelegt sind.
Die Joker-V-Profilkette von pewag wurde beispielsweise speziell dafür entwickelt, sich auch bei nassem oder gefrorenem Holz gut am Stamm festzusetzen.
Welche Variante für Dich die richtige ist, hängt von Deinem Einsatz, Deiner Forstseilwinde und den typischen Bedingungen bei der Holzrückung ab.
Welche Länge sollte eine Chokerkette oder ein Chokerseil haben?
Auch die richtige Länge spielt eine wichtige Rolle.
Das Chokerseil beziehungsweise die Chokerkette muss lang genug sein, um sicher um die typischen Stammdurchmesser geführt werden zu können.
Unnötig lang sollte das System aber ebenfalls nicht sein.
Gerade bei Chokerketten bedeutet zusätzliche Länge gleichzeitig zusätzliches Gewicht, das bei jedem Anschlag bewegt werden muss.
Überlege Dir deshalb vor dem Kauf:
- Welche Stammdurchmesser rücke ich normalerweise?
- Arbeite ich überwiegend mit schwächerem oder starkem Holz?
- Wie viel Länge benötige ich tatsächlich?
- Wie wichtig ist mir ein geringes Gewicht?
Die längste Chokerkette ist nicht automatisch die beste.
Chokerkette richtig am Stamm befestigen
Bei einer klassischen Chokerkette wird zunächst die Durchstecknadel unter dem Stamm hindurchgeführt.
Anschließend wird die Kette mithilfe des Forstschlinghakens zur Würgeschlinge geschlossen.
Die Verbindung zum Windenseil erfolgt über das dafür vorgesehene Verbindungselement – beispielsweise einen Seilgleitbügel.
Beim Zug zieht sich die Schlinge um den Stamm zusammen.
Achte darauf, dass:
- die Kette nicht verdreht ist,
- Haken und Verbindungsteile richtig sitzen,
- alle Komponenten zur Windenzugkraft passen,
- beschädigte Bauteile nicht verwendet werden,
- die Kette sauber um den Stamm läuft.
Der gesamte Zugstrang ist nur so sicher wie sein schwächstes Bauteil.
Chokerseil richtig verwenden
Auch beim Chokerseil wird das Seil um den Stamm geführt und mit dem laufenden Chokerhaken geschlossen.
Durch seine hohe Flexibilität lässt sich das Drahtseil besonders gut um den Stamm legen.
Dabei solltest Du darauf achten, das Seil nicht zu knicken oder zu quetschen. Auch Stahlendklemmen, Pressungen, Schlaufen und Chokerhaken müssen sich in einwandfreiem Zustand befinden.
Je nach Ausführung und Einsatzzweck kann das Chokerseil anschließend beispielsweise mit einem forstlichen Zugsystem oder im Bereich einer Seilkrananlage verbunden werden.
Wichtig ist immer, das Chokerseil ausschließlich innerhalb seines vorgesehenen Einsatzzwecks und seiner angegebenen Belastbarkeit zu verwenden.
Diese Fehler solltest Du vermeiden
Bei Chokerseilen und Chokerketten entstehen viele Probleme durch eine falsche Auswahl oder beschädigtes Material.
❌ Zu geringe FTF beziehungsweise Zugkraft
Die verwendeten Bauteile müssen zur maximalen Zugkraft der Forstseilwinde passen.
❌ Nur nach dem Durchmesser auswählen
Durchmesser, Güteklasse, Konstruktion und zulässige Zugkraft müssen gemeinsam betrachtet werden.
❌ Chokerkette und Rückekette verwechseln
Die Systeme unterscheiden sich vor allem durch ihre Befestigung. Chokerketten werden normalerweise am Windenseil eingesetzt, Rückeketten direkt am Zugfahrzeug.
❌ Beschädigte Ketten weiterverwenden
Verformte, stark verschlissene oder beschädigte Kettenglieder und Haken müssen ausgesondert beziehungsweise fachgerecht beurteilt werden.
❌ Beschädigte Chokerseile weiterverwenden
Drahtbrüche, Knicke, Quetschungen oder beschädigte Endverbindungen dürfen nicht ignoriert werden.
❌ Komponenten wahllos kombinieren
Seilgleiter, Haken, Seile und Ketten müssen zusammenpassen und für die auftretenden Kräfte ausgelegt sein.
❌ FTF mit Bruchkraft verwechseln
Für den Anwender im Bodenzug ist die zulässige FTF entscheidend. Eine hohe Bruchkraft bedeutet nicht automatisch, dass das Bauteil mit derselben Kraft verwendet werden darf.
Chokerseile und Chokerketten regelmäßig kontrollieren
Vor jedem Einsatz Sichtprüfung nach Herstellerangaben durchführen und während der Nutzung regelmäßig auf Schäden achten.
Bei einer Chokerkette solltest Du besonders auf Folgendes achten:
- verschlissene oder verformte Kettenglieder
- beschädigte Haken
- beschädigte Durchstecknadeln
- starke Korrosion
- auffällige Verformungen
Beim Chokerseil solltest Du unter anderem auf:
- Drahtbrüche
- Knicke
- Quetschungen
- Korrosion
- beschädigte Stahlendklemmen
- beschädigte Pressungen
- beschädigte Chokerhaken
achten.
Forstliche Anschlagmittel sind im Bodenzug einer hohen Verschleißbeanspruchung ausgesetzt. Sichtprüfungen vor dem Einsatz sind deshalb besonders wichtig.
Bestehen Zweifel an der Sicherheit eines Bauteils, nicht weiterverwenden.
Fazit: Das richtige System für den richtigen Einsatz
Chokerseile, Chokerketten und Rückeketten sind wichtige Helfer bei der professionellen Holzbringung – erfüllen aber nicht exakt dieselbe Aufgabe.
Während Chokerketten typischerweise den Stamm mit dem Windenseil einer Forstseilwinde verbinden, werden Rückeketten über einen Aufhängering direkt am Zugfahrzeug befestigt.
Chokerseile überzeugen durch ihr geringes Gewicht und ihre hohe Flexibilität und werden neben dem Bodenzug besonders häufig auch beim Einsatz von Seilkrananlagen verwendet.
Entscheidend für sicheres Arbeiten ist in jedem Fall die richtige Dimensionierung.
Beim forstlichen Bodenzug hilft Dir dabei die FTF-Angabe – Forest Tractive Force. Sie zeigt Dir, für welche maximale Zugkraft der Forstseilwinde das entsprechende Bauteil vorgesehen ist.
Du bist Dir nicht sicher, welches Chokerseil oder welche Chokerkette zu Deinem Einsatz passt?
👉 Entdecke unsere Chokerseile und Chokerketten für den professionellen Forsteinsatz.
Oder melde Dich direkt bei uns. Wir helfen Dir gerne dabei, die passende Ausführung für Deine Forstseilwinde, Deine Seilkrananlage oder Deinen Einsatzzweck zu finden.
Bis zum nächsten Mal!
Deine Miriam
